Weibliche Kraft

 

 

Eigentlich wollte ich einen Blog zum Thema „weiblich“ schreiben und wie und warum es mir gerade überall begegnet.

 

Ich lebe ja in einem reinen „Männerhaushalt“ und da ist es manchmal mit diesem Thema nicht so ganz einfach. Zudem liegen nun schon ein paar Jahre Pubertät hinter mir, in denen das Thema weiblich, Feminismus, Männerrolle, Frauenrolle etc. ziemlich scharf diskutiert wurde.

 

Zu der Pubertät meiner Söhne, machen mein Mann und ich die "Pubertät rückwärts" mit, jeder in seinen Phasen, obwohl „Mann“ von dem Thema bei sich nicht so viele Eigenanteile sieht, bei mir dafür um so mehr als „das sind die Wechseljahre“ interpretiert wird. Also insgesamt eine sehr bewegte Zeit aus Homonmangel und -überschuss! 

 

So wollte ich das Thema Weiblichkeit hier einmal mit meinen Gedanken dazu erörtern und es wurde zu einem bunten Gedankenspaziergang der natürlich viel mit meinem eigenen Prozess zu tun hat.

 

Es verändert sich auf jeden Fall geradeganz viel. In mir, mein Äußeres, meine Kinder lösen sich los, Verantwortung und Vertrauen  wechseln sich ab, und mindestens die Lebensmitte habe ich überschritten - und es tauchen Fragen auf wie: was kommt da noch?

 

Viele Jahre war mein Blick ganz selbstverständlich nach außen gerichtet. Ich hatte Kinder, Familie, einen Haushalt, Tiere und zwei Berufe. Es gab immer etwas zu organisieren, zu entscheiden oder zu erledigen und das vor allem immer für andere und immer alles gefühlt gleichzeitig. Ich habe das gerne gemacht, wenn auch nie perfekt, aber immer so gut ich konnte. (Es musste immer etwas vernachlässigt werden, weil ich persönlich nicht alles schaffen konnte – aber ich hoffe meistens wenigsten den Fokus richtig gesetzt zu haben!)

 

Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass sich eine neue Tür öffnet. Meine Wahrnehmung öffnet sich zumindest und mir wird mein eigenes Leben wieder bewusster und die anderen Menschen nehme ich mit etwas mehr Abstand plötzlich ganz anders wahr.

 

 

 

Nicht, weil das Andere alles vorbei wäre, aber dennoch wieder mehr Raum für mich entsteht. Und das wirft Fragen auf, die ich mir früher so nie gestellt habe.

 

Wer bin ich eigentlich – unabhängig von all den Rollen, die ich bisher ausgefüllt habe?

 

Was möchte ich jetzt wirklich?

 

Was kann ich eigentlich besonders gut? Was möchte ich noch entwickeln und auch was darf gehen?

 

Und für mich eine sehr persönliche Frage: gibt es eigentlich noch irgendwas anderes, eine Art Aufgabe für mich, mit der ich auf die Welt gekommen bin, um diese hier zu erfüllen?

 

 

Interessanterweise begegnen mir in letzter Zeit überall Begriffe wie „Seelenauftrag“, „Intuition“ oder „weibliche Energie“. Früher hatte ich da noch keinen Zugang zu. Und auch heute bin ich manchmal skeptisch in diesem neuen Feld, aber es resoniert auch etwas ganz tief in mir drin. Ich merke, dass ich zumindest neugierig geworden bin. Ich fange an, genauer hinzuhören, mich einzulassen. Nicht mehr nur auf meinen Kopf, sondern auch wieder stärker auf meine Gefühle zu hören.

Seit dem ich die 50ig überschritten habe, habe ich auch plötzlich das Gefühl, nicht merh so im Wettbewerb mit anderen - besonders Frauen zu sein. Ich werde auch immer gelassener mit dem Thema, nicht unbedingt von allen gemocht zu werden. Mir gelingt es immer öfter NEIN zu sagen und das tut ja sowas von gut! An der Stelle kann ich schon mal sagen: Alter hat auch ganz viel Vorteile!!!!!! 

Und ich kann auch bessser JA sagen. Bedingungsloser, leidenschaftlicher - all in!

 

Jedenfalls habe ich viele Jahre hauptsächlich aus dem Kopf heraus entschieden und mich treiben lassen von dem, wie ich dachte, das alles so sein muss. Das war so und hat mich ja auch durch viele Lebensphasen getragen. Aber inzwischen habe ich den Eindruck, dass mein Körper und mein Gefühl manchmal Antworten kennen, bevor mein Kopf sie verstanden hat.

 

Als Kind wollte ich immer Zauberkräfte haben. Ich fand die Vorstellung wunderschön, etwas Besonderes zu können. Spoiler, die habe ich leider nicht wirklich. Aber vielleicht habe ich mit den Jahren etwas anderes entdeckt: Ich nehme Dinge wahr, die mir immer ganz selbstverständlich erschienen sind, von denen ich aber gemerkt habe, dass sie für andere gar nicht so selbstverständlich sind.

 

Vielleicht hat jeder Mensch so etwas. Eine Fähigkeit.

 

Eine besondere Art zu sehen, zu fühlen oder Menschen zu begegnen, oder sonst irgendwas „magisches“. Vielleicht sind genau das unsere kleinen Zauberkräfte.

 

Und vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, jemand anderes zu werden, sondern genau diese Fähigkeit zu entdecken und ihr zu vertrauen. Es gibt tatsächlich viele Menschen, denen sind diese Eigenschaften sehr schnell bewusst und die wirken in sich auf mich immer sehr authentisch. Aber manche lassen sich vom System und den funktionieren wollen für die Anerkennung etc. so blenden, dass sie verlernen auf diese ganz eigene Ressource, -diesen Schatz zu sehen.

 

Vielleicht ist das für mich im Moment sogar das, was ich unter Weiblichkeit verstehe. Nicht, weil sie an einen weiblichen Körper gebunden wäre. Ich glaube, Männer tragen diese Qualitäten/ Fähigkeiten genauso in sich.

 

Für mich bedeutet Weiblichkeit gerade eher Vertrauen. Intuition. Nähren. Heilen. Verbundenheit, Zyklus, Liebe - lieben. Das Gefühl, dass da noch etwas Größeres ist als nur ich selbst. Und den Mut, diesem Gefühl auch einmal zu folgen, obwohl der Kopf noch gar nicht alle Antworten kennt.

 

Genauso schätze ich aber auch natürlich die andere Kraft. Die Klarheit. Das Handeln. Das Umsetzen. Den Mut, Entscheidungen zu treffen und Dinge in Bewegung zu bringen – das steht in der Regel für das Männliche. Sehen-erkennen-handeln!

 

Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass es sich hier um ein entweder – oder handelt. Ich glaube, beides gehört zu uns.

 

Vielleicht unterschiedlich verteilt. Vielleicht durch unsere Biologie ein wenig unterschiedlich begünstigt. Aber beides ist wertvoll.

 

Und vielleicht ist genau das mein eigener Reifungsprozess.

 

Ich kann für mich sagen, dass obwohl ich Mutter und Ehefrau bin, doch sehr viel mehr in den „männlichen Fähigkeiten“ unterwegs war, weil ich anders all die Herausforderungen gar nicht geschafft habe. Aber es hat sich immer falsch angefühlt, mir immer etwas "abverlangt"! Es war eigentlich immer irgendwie zu viel.

 

Jetzt scheint endlich der Raum dafür da zu sein, der weiblichen Kapazität und Stärke das Feld mehr zu überlassen. Und ich kann für mich sagen, es fühlt sich großartig an. Ich erlaube mir mehr auf mich und meinen Körper zu hören. Ich nehme mir Zeit zum Nachfühlen. Ich fange an, wie auch hier mit diesem Blog, meiner Kreativität wieder mehr Raum zu lassen. Ich habe sogar ein Kinderbuch geschrieben, was ich immer schon mal tun wollte, aber noch nicht die richtige Idee. Jetzt plötzlich war alles da und durfte raus! 

 

Mich beschäftigt also nicht mehr die Frage, wie Weiblichkeit definiert wird. Mich beschäftigt vielmehr die Frage, was sich in mir verändert – und ob andere Menschen das auch kennen. Geht es euch manchmal ähnlich? Vielleicht das auch so ein weiblicher Zyklus - halt eher ein Lebenszyklus..... 

 

Habt ihr auch das Gefühl, dass sich bestimmte Fragen erst in einer bestimmten Lebensphase zeigen? Dass plötzlich Themen auftauchen, über die ihr früher nie nachgedacht habt? Oder dass ihr euch fragt, was eigentlich euer ganz persönliches „Geschenk“ für diese Welt sein könnte? Und habt ihr das auch schon erlebt, was für eine ganz besondere Dynamik entsteht, wenn nur Frauen zusammenkommen, um das „Frau sein, die Weiblichkeit“ zu zelebrieren? Angefangen von Veranstaltungen wie „Mama geht tanzen – bis zu irgendwelchen Frauenkreisen und Frauenretreats? 

 

Vielleicht wäre ich auf diesen Wert, dieses Gut, was ich in mir trage auch schon früher gekommen, hätte ich mir die Zeit dafür genommen. Im Nachhinein hätte ich es mir gewünscht. Vielleicht hätte ich auch dann schneller und bewusster „NEIN“ gesagt und hätte meinem Bauchgefühl besser vertraut. 

 

Wie geht es euch damit? Ich würde mich freuen, wenn der / die eine oder andere seine Meinung dazu teilen mag.

 

 

 

Selbstgespräche; Nervling https://open.spotify.com/intl-de/track/7zHiFxbr8vz5ykAY24JBwK?si=9f7d4abd9bf04731

 

Solange du dich bewegst; Wilhelmine https://open.spotify.com/intl-de/track/7s3jWFRcE2XGYsSOCqT1oY?si=ae1b746d77984f4d

 

Circle of Woman; Nalini Blossom https://open.spotify.com/intl-de/track/4gdy2CvC1SHEmYElDs5YOl?si=d6c17f18869c474d

 

 

 

 

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