Gedanken auf dem Weg

Wie vielleicht einige von euch stehe ich gerade an einer  Wegkreuzung. Und es ist an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen.  

 

Ich bin nun schon echt einige Male vom Weg abgekommen, der sich schon bereits nach wenigen Metern nur so halb richtig angefühlt hat. 

Aber ich habe mich entweder so dahintreiben lassen, oder mir  gesagt, das ist schon der richtige Weg. Hier muss halt eben jeder mal lang, der an ein Ziel möchte!

Aber am Ende bin ich immer wieder an der gleichen Wegkreuzung gelandet.

Zugegeben, auf dem Weg habe ich viel wichtige und wertvolle Impulse und Erfahrungen mitnehmen können. Andere hätte ich mir und anderen Wegbegleitern allerdings auch gerne ersparrt!

 

Und so habe ich mich gefragt: Warum komme ich verdammt noch mal immer wieder an die gleiche Kreuzung?

 

Und dann bin ich nach vielen Denken wieder losmarschiert. Diesmal über Geröll und richtige Berge. Und ich dachte mir: Das ist jetzt bestimmt richtig. Denn ich muss mich ja auch mal richtig anstrengen. Denn wenn man an sein Ziel kommen möchte, muss es anstrengend sein, um es sich zu verdienen! Wenn - Dann!  Da muss man schon mal ordentlich bergauf gehen und sich bemühen!  

Und während der ganzen Kraxelei und der Anstrengung habe ich ganz vergessen, wo ich eigentlich hin wollte, weil es so furchtbar anstrengend war.

 

 Und was soll ich sagen? Als ich fix und fertig aus den Bergen, dem Nebel und all dem Unwetter wieder herauskam, da sah ich am Ende des Weges, schon wieder diese verfluchte gleiche Kreuzung.

  

Da musste ich ich mich erstmal ausruhen bis ich mir überlegte: Jetzt mache ich es wirkich anders: Diesmal scheust du dich nicht andere um Hilfe zu bitten und nach nach dem Weg zu fragen. So einen Umweg laufe ich nicht noch einmal.  

Also wartete ich, dass jemand vorbeikommt, der mir helfen kann.

 

Und ja – es kamen einige Menschen vorbei. Viele erzählten mir von ihren Zielen. Und ich dachte: Boah, mega. Das hört sich ja total toll und spannend an. Und so beschloss ich da einfach mal so mitzugehen. Ist ja vielleicht auch viel besser, als sich immer nur alleine auf den Weg zu machen!

So bin ich eben mitgegangen. Erst sehr zielstrebig und begeistert.  Aber dann, so nach und nach, habe ich gemerkt, wie ich mich immer mehr in den Windschatten habe fallen lassen. Meine Energie wurde weniger. Und das Bewusstsein schlich sich ein:

Ich bin hier irgendwie doch schon wieder von meinem Weg abgekommen. Und ich habe schon fast verzweifelt nach einer Abzweigung gesucht, die mich bitte wieder an "meine" Kreuzung zurückbringt!

 

Ich habe viele gute und auch spannende Erfahrungen mit den anderen Menschen gemacht. War beeindruckt von den Wegen der anderen. Aber es machte mich noch unsicherer, was denn nun eigentlich mein Weg ist. Und wie konnten die sich so sicher sein für ihren Weg? Ich wollte das endlich auch haben!

 

Immerhin ist mir bei der ganzen Lauferei und Reiserei aufgefallen, dass mein Rucksack immer schwerer geworden ist. Und so habe ich, wieder an der Kreuzung angekommen, angefangen, diesen Rücksack zu öffnen. Mal zu schauen, was sich da eigentlich alles so angesammelt hat.  

Und ich war wirklich erstaunt, was da alles zum Vorschein kam. Ich wusste ja schon immer: 

 Ich bin eher ein Sammler als ein Jäger.

 

Und da hielt ich plötzlich inne. Denn dieser Gedanke musste  erstmal etwas tiefer und neu bei mir ankommen.  

Was bedeutet das eigentlich für mich? Ein Sammler zu sein.  

  • Bin ich vielleicht nicht zielstrebig genug?
  • Mache ich eigentlich immer alles falsch?
  • Lasse ich mich zu sehr beim sammeln ablenken?
  • Und warum zum Teufel immer wieder diese Umwege?

Da kamen plötzlich weitere Menschen an der Kreuzung an. Einige setzten sich zu mir und erzählten, dass sie doch tatsächlich auch schon zigmal an dieser Kreuzung angekommen waren.  Mit ganz ähnlichen Erfahrungen. So begannen wir, uns gegenseitig zu erzählen, was wir bisher alles so erlebt hatten. Wir lachten, wir staunten. wir weinten und trauerten miteinander. 

Wir zeigten uns Dinge aus unseren Rucksäcken. Und stellten am Ende fest: Es war ganz schön anstrengend bisher. Alle Rucksäcke waren voll. Und wir mekten, es war ein guter Moment, mal aufzuräumen. 

  • Was kommt mit? 
  • Und was darf hier an der Kreuzung zurück bleiben?

Das war gar nicht so leicht. Zumindest nicht für mich! Einige sortieten großzügig, andere machten den Rucksack auch lieber ganz schnell wieder zu. Ich konnte nur ein paar Sachen zurück lassen. Die anderen hatten mich jetzt so lange begleitet, da konnte ich noch nicht so richtig los lassen......

 

Und dann kam da plötzlich jemand auf die Kreuzung zu. Er ging einfach geradeaus weiter. Ganz zielstrebig. Einfach so. Grüßte nur kurz und weiter gings.....Also rief ich hinterher: Hey! Woher weißt du denn, welches der richtige Weg ist?“ Er drehte sich um, schmunzelte und sagte: „Ich fühle es!“

Wir, die da saßen, schauten uns fragend an. Aber wir beschlossen, das ernst zu nehmen. Wir schlossen die Augen. Versuchten zu fühlen. Und dann ging jeder für sich los. 

In die Richtung, die sich richtig und sicher anfühlte.

Und was soll ich sagen? Der Weg war neu und gleichzeitig irgendwie altbekannt und vertraut. Es fühlte sich sicher an. Komfortabel. Endlich, mal bequem...... Ich hatte alles, was ich brauchte. Und hätte ewig so weitergehen können. Es war auch nicht besonders anstrengend, sondern eher immer wieder alles gleich.... 

Wenn da nicht dieses kleine Misstrauen gewesen wäre. Dass es zwar schön ist – aber irgendwie nicht ganz richtig ist - eher schon fast etwas langweilig! Ich ärgerte mich und schuppste dieses Gefühl in den Hintergrund! 

  • Konnte ich denn nie mal zufrieden sein?

Aber die Fragen wurden lauter: 

  • Bleibe ich hier? 
  • Auf diesem sicheren Weg?  
  • Oder gehe ich nochmal zurück zu dieser ollen Kreuzung und versuche es nochmal - gefühlt zum hundertsten Mal?
  • Habe ich dafür noch ausreichend Energie?

Und dann kam wie aus dem Nichts in einem Traum die Frage auf: 

  • Wohin möchte ich eigentlich? 
  • Was ist denn eigentlich mein Ziel? 
  • Was möchte ich dort finden? 
  • Wie sieht es dort aus? 
  • Wer ist da? Und wer wartet auf mich?
  • Was erwarte ich dort zu finden?
  • Wie würde es sich anfühlen, wenn ich dort angekommen bin? 

Mit all diesen Gedanken lief ich weiter. Und zack – 

Da war sie wieder. Die Kreuzung. Fast freute ich mich und musste lachen - und mich erst nochmal setzen. Und tatsächlich – auch einige der andere kamen wieder dort an. Und wir lachten gemeinsam. Fast machten wir ein Fest daraus, wieder hier angekommen zu sein und nochmal neu zu entscheiden.......Wir tanzten und sangen gemeinsam und wir begannen von unseren Träumen zu sprechen und dem was uns bis jetzt gefehlt hat. Wir spührten, dass da noch was in uns steckt, was noch gelebt werden möchte. Was vielleicht unser Ziel sein könnte. 

Und mit jedem Erzählen wurde mein Bild klarer. Konkreter. Leichter. Ich saß noch eine Weile dort. Hörte zu. Lies mich inspirieren, träumte meine eigenen Bilder. 

Und dann plötzlich kam dieser Moment und ich dachte: 

Jetzt reicht’s! Ich will nichts mehr hören und auch nichts mehr sagen. 

Ich stand auf. Nahm meinen inzwischen deutlich leichteren Rucksack und schmiss noch ein paar Dinge hinaus, ohne zu zögern, um Platz für Neues zu schaffen. 

Und dann ging ich los. Geradeaus. Einfach so! 

Denn plötzlich war da dieses tiefe Vertrauen fast wie ein innerer Ruf: Dass es gut so ist und es leicht sein darf. 

 

Das war mein Weg bis jetzt: Und wenn Du Dich hier auch auf diesem Weg siehst, beziehungsweise an dieser Kreuzung bist, Du allein, ihr zu zweit, ihr als Familie, Dein Kind, - es kann helfen, nach Hilfe zu fragen! Ob es ist, vielleicht mal den Rucksack zu sortieren, einiges hinter sich/euch zu lassen, vielleicht den Körper fit zu machen, zum weiter gehen, sich zu verabschieden oder was auch immer. Manchmal tut es gut, es einfach mal alles zu erzählen und kurz los zu lassen, um Raum für die Träume und den weiteren Weg zu schaffen.  

 

Ich selber bin vielleicht nicht für jeden der richtige Wegbegleiter. Aber ich kenne mich inzwischen ganz gut mit der Kreuzung aus......und ich sehe mich eher als Wegbereiter.

Falls es andere möglich Unterstützung braucht, dann können wir auch hier in dem großen Dschungel da draußen schauen, was genau Dein Auftrag ist- was genau Du als Unterstützung brauchst und wer zu Dir passt. Denn auch hier kann man sich leicht verrennen.  

 

Als ich sieben wurde (Clara Lösel)

 

Hand aufs Herz, ich gehe einfach meinen Weg entlang (Maik Baum) 

 

 

 

 

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